Häupter des Schreckens - Teil I (29.09.2007)
Eine Erzählung nach einem Cthulhu Rollenspiel
Eine kleine Cthuloide Weihnachtsgeschichte
Autoren: Blutschuh

"Häupter des Schreckens" verwickelt die Abenteurer in die Machenschaften um einen gnadenlosen Scharlatan und eine Gruppe alter Schwarzmagier, die einst kopfüber in den Wirren der Französischen Revolution steckte. Als geladene Gäste der Marchioness of Sinclair verbringen wir die Weihnachtstage im opulent hergerichtetem St. Joan's Nunnery, einem ehemaligen Nonnenkloster in Anningham. Es versprechen beschauliche Tage der Ruhe und Besinnung zu werden. Doch dann erhalten wir mit einem Mal eine Reihe merkwürdiger Geschenke und kurz darauf kommt es obendrein zu einem mysteriösen Mordfall, bei dessen Aufklärung die Behörden augenscheinlich einige zentrale Indizien übersehen. Langsam werden wir immer weiter in die dunklen Geheimnisse der Vergangenheit hinein gesogen, und finden uns schließlich im winterlichen London wieder, zwischen einem Theaterbesuch mit Folgen, einer leidenschaftlichen Auktion und einem egozentrischen, an den Rollstuhl gefesselten Skulpteur für Wachsfiguren. Scheinbar sind manche Dinge in der Vergangenheit nie ganz zur Ruhe gekommen und nun gilt gar zu befürchten, dass diese Dinge selbst vor der friedvollen Weihnachtsstimmung des St. Joan Nunnery nicht halt machen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass wir selbst am Ende nicht den Kopf verlieren...

…Alles fing mit einer Einladung meines Freundes Brian Black an. Er arbeitet als Redakteur bei einer Londoner Zeitung und erhielt von seinem Freund Herbert Blunt, einem Bankkaufmann, eine Einladung die Weihnachtstage in Begleitung einiger Freunde oder Bekannter, in Anningham – genauer gesagt in dem ehemaligen Nonnenkloster St. Joans Nunnery – zu verbringen. So kam es dann, dass wir zu fünft nach Anningham aufbrachen, Brian Black nebst seiner Gemahlin Viktoria, Bridget Jones seine Sekretärin, meine Verlobte Samantha Carter – Buchhalterin und meiner Wenigkeit, Charles Rider Kurator im Ägyptischen Museum in London. Wir sollten uns am 20.12.1923 um 18 Uhr bei der Marchioness of Sinclair auf St. Joans Nunnery einfinden, fuhren aber früh genug los, um uns die kleine Ortschaft ein wenig anzusehen und noch einen Tee zu genießen. In Anningham angekommen fanden wir ziemlich in der Mitte des beschaulichen Örtchens einen Baum mit einigen Tafeln bzw. kleinen Schildern und eine Gaststätte. Nun, es war 16Uhr und somit kam uns die Gaststätte genau richtig um bei einer gepflegten Tasse Tee etwas mehr über die hiesige Ortschaft und der Gaststätte selbst zu erfahren. James Damian Clegg, so stellte sich uns der Wirt vor, ist ein sehr redseliger Mann und so bedurfte es nur wenig Ermunterung und schon wurden wir mit allerlei Informationen überhäuft. Er begann mit einer Legende über eine Prinzessin, einer Katzenklappe, einem roten Zwerg und einem mysteriösen Todesfall, nun durch diese Geschichte kam er auf den Namen des Gasthauses „The princess cat“ und es erklärte die Katzenklappe in der Eingangstür. Nach Auflistung aller Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, einem Angebot zur Übernachtung und natürlich nicht zu vergessen der Anpreisung seines eigenen Buches „ Der Geist von Anningham“ über besagte Legende – er hatte zufällig noch ein paar Exemplare übrig und hatte sie Bridget und Viktoria für den Sonderpreis von 5 Pfund überlassen! – machten wir uns nun auf den Weg die Marchioness aufzusuchen. Bevor die Fahrt jedoch losging wollte Bridget unbedingt noch in dem Loch im Baum nachsehen, ob evtl. etwas dort drin zu finden sei. Es sei erwähnt, dass dieser Baum während des Mittelalters eine wichtige Rolle als Briefkasten für heimliche Botschaften diente. Nach kurzer Kletterei kam die Ernüchterung, die Ausbeute bestand aus ein paar Federn und einem undefinierbaren Brei aus durchweichtem Papier – nicht gerade der Jahrhundertfund. Wir schauten am Baum noch einmal auf eine kleine Tafel, welche zur Orientierung diente und fuhren los. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das Kloster, an der Tür wurden wir nach dem Läuten von James, dem Butler empfangen. Er ließ uns kurz vor der Tür warten und meldete uns bei der Marchioness an. Schließlich bat er uns hinein und wies uns unsere Zimmer zu, auch wenn es ein ehemaliges Kloster war, so bestand die Marchioness trotzdem auf Geschlechtertrennung. So bezogen Brian und ich ein Doppelzimmer, Sam und Viktoria ein Doppelzimmer und Bridget ein Einzelzimmer. Zu Brians und meiner Verwunderung, stand ein Geschenk auf einem der Nachttische. Wir sahen uns ein wenig ratlos, öffneten es und zum Vorschein kam ein Karton in dem sich ein Weidenkorb befand. Desweiteren beinhaltete er einen Zettel mit einer Nachricht: “In ewiger Liebe – Demorest“. Nun, das war schon etwas merkwürdig, da wir beide nichts mit dem Namen anfangen konnten und was es mit dem Weidenkorb auf sich hatte konnten wir auch nicht sagen. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, gingen wir hinunter in den Speisesaal wo wir schon erwartet wurden. Am Tisch saßen bereits Herbert Blunt, Margaret Marchioness of Sinclair und Miss Mabelle Sainsbury-Seale – eine Theater-Schauspielerin. Nachdem wir uns alle bei einem Glas Champagner bekannt gemacht hatten, wurde das Essen aufgetragen, Brian und ich erkundigten uns nach dem Namen von unserem Brief und dem dazugehörigen Weidenkorb. Alles was wir jedoch bekamen waren ungläubige Blicke und ein leichtes abtun der Sache als Scherz, woraufhin wir auch nicht weiter darauf eingingen. Viktoria und Sam erwähnten im Laufe des Abends auch etwas von einem Geschenk. Die beiden fanden eine Papiernelke mit der Nachricht „In ewiger Lieber – Ferey“. Bridget erkundigte sich nach dem Labyrinth, welches sie draußen im Garten erspäht hatte und plante für den nächsten Tag eine kleine Exkursion in selbiges. Nach dem opulenten und sehr schmackhaften Mahl zogen wir uns noch in den Salon zurück, um –zumindest wir Männer- eine gute Zigarre und ein Gläschen Whiskey zu genießen. Zu fortgeschrittener Stunde gingen wir dann auf unsere Zimmer um unsere erste Nacht auf St. Joans Nunnery zu verbringen. Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht trauten wir unseren Augen kaum, wieder befand sich in unserem Zimmer ein Geschenk. So verwundert über die Tatsache, dass wir nicht mitbekommen haben wer uns diese Überraschung beschert hat, so verwunderlich war auch der Inhalt –ein kleines Behältnis mit Kleie und Sand gefüllt. Natürlich war auch diesmal eine Nachricht dabei: „In ewiger Liebe - Jouenne.“ Beim Frühstück erfuhren wir, dass auf High Chimneys eine Lesung zur Geisterstunde abgehalten wird und wir alle recht herzlich eingeladen wären. Wir bedankten uns und nahmen diese gerne an. Beiläufig erwähnten wir auch unser neues Geschenk, doch eine Erklärung blieb aus. Die Marchioness wollte jedoch ihre Dienerschaft befragen, ob sich evtl. einer von ihnen diesen Scherz erlaubt habe. Später im Salon verbrachten wir unsere Zeit mit Lesen, Schach und allerlei Gesprächen. Zu meinem Erstaunen hatte unser „Geschenke-Verteiler“ auch Bridget, Sam und Viktoria mit morgendlichen Überraschungen bedacht – einen Lederriemen für die Sekretärin und Spielzeugpferde für Sam und Viktoria, auch hier jeweils eine Nachricht mit dem Text „In ewiger Liebe“ nur die Unterschriften waren unterschiedlich. Der Lederriemen kam von Olivier und die Spielzeugpferde von Barré. Bridget wollte an diesem Tag unbedingt noch dieses Labyrinth erkunden, da allerdings niemand sonst ihren Enthusiasmus teilte, machte sie sich schließlich allein auf den Weg. Nach geraumer Zeit machten wir uns allerdings ein wenig Sorgen, sie war noch nicht zurück und es war schon ziemlich dunkel. Außerdem wurde es langsam Zeit sich für den „Gruselabend“ zurecht zu machen. Nach kurzem Überlegen gingen wir gemeinsam los um Bridget zu suchen. Da wir uns in dem Labyrinth nicht auskannten und es auch keinen Plan des Labyrinths gab, markierten wir unseren Weg mit Paketband, welches wir in regelmäßigen Abständen an die Äste der Hecken banden. Nach kurzer Zeit und einigem Rufen, fanden wir sie schließlich und machten uns auf, das Labyrinth zu verlassen. Auf dem Weg hinaus hörte ich ein merkwürdiges Geräusch hinter mir und ich drehte mich um – blankes Entsetzen stieg in mir auf, ich war geschockt und angsterfüllt. Ein Teil der Hecke war lebendig geworden, dieses „Wesen“ bewegte sich zwar von uns weg, aber beruhigend wirkte diese Tatsache auch nicht auf mich. Zum Glück hatten meine Freunde dieses Wesen, diese wandelnde Schaurigkeit auch bemerkt, so weiß ich wenigstens, dass es wirklich da war und mir das dort herrschende Zwielicht keinen Streich gespielt, oder ich gar meinen Verstand verloren hatte. Wir starrten alle noch hinter diesem Ungetüm her, bis es in der Dunkelheit verschwand. Dann aber bemerkten wir, dass an der Stelle, wo dieses „Etwas“ her kam, eine Lücke entstanden ist welche den Blick auf Steinplatten freigab, die auf dem Boden angeordnet waren. Nach einer so merkwürdigen Begegnung wollten wir nun auch wissen, was es mit den Steinplatten auf sich hatte. Auf den Steinplatten waren Buchstaben und Zahlen zu erkennen, man konnte fast glauben einen kleinen Friedhof mitten in diesem Labyrinth gefunden zu haben. Bei Brian machte sich sofort der Redakteur in ihm bemerkbar und er zückte schnell einen Notizblock und einen Stift um die vermeintlichen Initialen und Daten festzuhalten. Nach Beendigung seiner Notizen gingen wir zurück zum Haus ohne von diesem wandelnden Gebüsch noch einmal was zu sehen. Wir gingen auf unsere Zimmer und machten uns schnell für die geplante Gruselstunde fertig. Besagte Lesung fand in einem feierlichen Rahmen auf High Chimneys statt und wurde von Algernon Carmichael Doyle, dem Autor von „Rot wie Blut“ gehalten. Kaum angekommen machten wir uns direkt mit dem Gastgeber und Leser Mr. Doyle bekannt. Es waren recht viele seiner Einladung gefolgt und so war es auch kein Problem den Saal in dem alles stattfand zu füllen. Es war eine ausgelassene, schaurig schöne Stimmung als Algeron Carmichael Doyle seine Lesung hielt. Es gab auch ein wirklich außergewöhnliches Finale, einen echten Mord. Just in dem Moment als die Geschichte zu Ende war, gab es einen Stromausfall. Nicht genug mit der plötzlich entstandenen Dunkelheit, zum Entsetzen aller Anwesenden fiel auch noch ein Schuss. Bridget lief nach unten, wo sie die Herkunft des Schusses vermutete, doch in der Eingangshalle musste sie jedoch auf das wiederherstellen der Beleuchtung warten. Algernon, ein paar Gäste, meine Freunde, und ich liefen zum Schlafzimmer der Hausherrin. Algernon war der Erste, der den Raum betrat und seine Frau erschossen auf dem Bett liegend vorfand. Meine Freunde, sowie Doyles Sekretärin und der hiesige „Dorfpolizist“ Freddy Pyne, welcher auch geladen war und ich traten ebenfalls in den Raum. Nachdem wir alle den ersten Schock überwunden hatten, geriet die ganze Sache etwas aus der Bahn. Algernon stieß mit einem Fuß an etwas auf dem Boden, als er nachsah entdeckte er eine Pistole und zwei Tapeziernägel unter dem Bett. Er hob die Pistole auf und kniete immer noch bei seiner Frau. Der Polizist hat diese Kleinigkeit nicht mitbekommen, da er etwas später den Raum betrat und hielt kurzum Algernon Carmichael Doyle für den Mörder. Wir beteuerten ihm, dass sich der vermeintlich Schuldige zum Tatzeitpunkt oben im Saal aufhielt und für alle gut sichtbar seine Geschichte erzählte. Diese Tatsache schien Mr. Pyne dazu zu bringen, die Sache nochmal zu überdenken, genau in diesem Moment gab Doyles Sekretärin eine bemerkenswerte Beobachtung kund. Ihr ist in diesem ganzen Trubel aufgefallen, dass sich wohl jemand an der Wand zu schaffen gemacht haben muss. Sie stürmte nach vorne und wies auf eine fast nicht sichtbare Naht an der Tapete. Hier habe sich der Täter wohl zu schaffen gemacht und schon fing sie an, an der Tapete zu reißen und an der nur provisorisch geflickten Wand darunter einen Weg in einen Hohlraum zu bahnen. Zu unser aller Erstaunen war dort in der Wand ein Elektromagnet untergebracht worden. Sogleich bewies unser Polizist eine herausragende Kombinationsgabe, er stellte die kühne Theorie auf, dass mit Hilfe des Elektromagneten die Waffe an der Wand positioniert wurde und wohl mit einer dünnen Schnur die Waffe abgefeuert wurde. Besagte Schnur hätte man in dem durch den Stromausfall verursachten Chaos einfach beseitigen können. Für ihn war vorerst der Fall geklärt und führte mit stolz geschwellter Brust über seinen Erfolg Mr. Doyle ab. Ich muss gestehen, eine solche Geistesakrobatik wie sie unser guter Polizist Freddy Pyne an den Tag legte sucht wirklich Seinesgleichen. Ich für meinen Teil und auch meine Freunde wären niemals auf eine so tollkühne Theorie gekommen. Wir hätten uns wohl eher die Frage gestellt, wie man einen Elektromagneten ohne Strom dazu bringt etwas festzuhalten. Aber gut, kommen wir später darauf zurück. Die auf uns nicht ganz sympathisch wirkende Sekretärin hatte nun durch ihren Auftritt gänzlich unsere Gunst verloren. Wir fuhren zurück zum Kloster und versuchten dort ein wenig Schlaf zu finden, um am nächsten Tag unsere eigene Untersuchung zu den merkwürdigen Vorfällen zu beginnen.

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